Akkukapazität, die Basis für die Reichweite

Josef Lechenbauer • 28. Januar 2026

Viele E-Bike-Fahrer kennen das Problem:

Das Display zeigt optimistisch „80 Kilometer“, doch nach rund 50 ist plötzlich Schluss, bergauf oft sogar früher. Ernüchternd, aber völlig normal. Die angegebene Reichweite ist nur ein grober Richtwert, der von vielen Faktoren abhängt, manche sind klar, andere merkt man erst, wenn die Tour kürzer ausfällt als gedacht. Wer weiß, welche Punkte den größten Einfluss haben, kann oft deutlich länger fahren.

Wichtig sind vor allem Akkukapazität, dein eigener Fahrstil (inklusive wie stark du mittretst) und äußere Bedingungen wie Temperatur oder Gegenwind. Dazu kommen einfache Tricks, mit denen du aus einer Akkuladung oft ein paar Kilometer mehr herausholen kannst, besonders praktisch, wenn du das nächste Ziel ohne Ladepause erreichen möchtest.


Akkukapazität, die Basis für die Reichweite

Die Kapazität eines E-Bike-Akkus wird in Wattstunden (Wh) angegeben, je höher der Wert, desto mehr Energie ist vorhanden, was oft längere Fahrten möglich macht. Ein 500Wh-Akku hält in der Regel länger als ein 400Wh-Modell, aber die tatsächlich erreichbare Strecke hängt stark vom eigenen Fahrstil ab.



Neben der Zahl auf dem Etikett zählen auch die Qualität der Zellen, das Alter des Akkus und wie oft er schon geladen wurde. Selbst die Elektronik im Inneren, die den Stromfluss regelt, kann spürbare Unterschiede verursachen. Ein großer Akku, der schon viele Jahre und Touren hinter sich hat, bringt manchmal weniger Reichweite als ein neuer, kleinerer Akku. Hersteller testen meist unter perfekten Laborbedingungen, draußen sorgen Kälte, Steigungen, Gegenwind und individuelle Fahrweise oft für deutlich geringere Distanzen. Wer längere Touren plant, sollte nicht nur die Wh-Zahl beachten: Auch Ladegeschwindigkeit, die Option, Ersatzakkus mitzunehmen, und ein einfacher Akkuwechsel können viel ausmachen.


Typische Reichweiten nach Akkukapazität

Batterietyp Kapazität (Wh) Typische Reichweite
Einsteiger 250, 400 32, 48 km
Mittelklasse 400, 750 48, 80 km
Langstrecke 750+ 60, 120 km

Laut einem technischen Leitfaden von Aventon Bikes gilt etwa: rund eine Meile pro 20 Wattstunden bei durchschnittlichen Bedingungen. Ein 500Wh-Akku könnte theoretisch etwa 25 Meilen (40 km) schaffen, in der Praxis ist das eher ein grober Richtwert.


Fahrergewicht und Last

Viele denken gar nicht daran, wie sehr das eigene Gewicht die Reichweite beeinflusst, früher wurde das oft schlicht unterschätzt. Micah Toll von Electrek erklärt, dass man den Zusammenhang zwischen Fahrer und Fahrzeug bei E-Bikes meist viel direkter merkt als bei Autos.

Mehr Gewicht bedeutet in der Regel auch mehr Energieverbrauch, weil der Motor stärker arbeiten muss, um die gesamte Masse in Bewegung zu bringen. Schon ein Unterschied von etwa 10 Kilogramm kann ein paar Kilometer Reichweite kosten, und unterwegs fällt das oft schneller auf, als man erwartet.

Kommt noch Gepäck dazu, zum Beispiel ein Kindersitz, volle Einkaufstaschen oder Werkzeug, verstärkt sich der Effekt deutlich. Bei einem voll beladenen Lastenrad reicht oft nur ein Akku mit über 1000Wh, um den Arbeitstag zu schaffen, was für Pendler oder Lieferfahrer ein wichtiger Faktor ist. Wer das Gesamtgewicht im Auge behält, merkt schnell, dass der Akku spürbar länger durchhält.


Den passenden Akku für Ihre Last wählen

Wer oft mit viel Zuladung fährt, ob Kinder, Werkzeug oder Großeinkauf, ist mit einem Akku hoher Kapazität gut beraten. Bei uns  finden Sie passende Modelle für verschiedene Bedürfnisse.


Terrain und Streckenprofil

Auf glatten, ebenen Straßen läuft das Rad meist leichter, und oft schafft man dadurch ein paar Kilometer mehr. Steile Anstiege dagegen saugen den Akku schnell leer, jeder Höhenmeter bedeutet mehr Arbeit für den Motor und damit höheren Stromverbrauch. Spannend ist, dass viele kurze, steile Rampen den Akku manchmal stärker beanspruchen als eine lange, gleichmäßige Flachstrecke. In Gegenden mit vielen Hügeln kommen E-MTBs daher oft nicht so weit wie City-Pedelecs, die meist in flachen Städten gefahren werden. Gegenwind wirkt fast wie ein unsichtbarer Berg: Er erhöht den Luftwiderstand und macht Treten schwerer. Wer oft bergauf fährt, kann mit einer niedrigeren Unterstützungsstufe oft deutlich mehr Reichweite erzielen.


Unterstützungsstufe und Fahrstil

Im Turbo-Modus ist der Akku oft schneller leer, während er im Eco-Modus deutlich länger hält, die gewählte Unterstützungsstufe wirkt sich also klar auf die Reichweite aus. Auch der Fahrstil spielt eine große Rolle: Wer oft stark beschleunigt oder lange mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit fährt, merkt schnell, wie der Akku an Leistung verliert. Ein gleichmäßiges Tempo dagegen entlastet den Motor, weil er nicht ständig kurzzeitig viel Energie liefern muss. Vorausschauend fahren, den Schwung aus Abfahrten mitnehmen und unnötige Sprints weglassen kann die Reichweite um bis zu 20 % erhöhen. Auch die Trittfrequenz zählt: Zu hoher Gang mit langsamer Drehzahl belastet den Motor, der passende Gang macht das Fahren leichter und spart Akku.


Wetter- und Temperaturbedingungen

Kälte macht Lithium-Ionen-Akkus oft deutlich zu schaffen. Schon bei wenigen Grad über Null merken viele, dass die Leistung spürbar nachlässt und der Akku schneller leer ist. Kommt dann noch ein starker Fahrtwind dazu, steigt der Energieverbrauch weiter, besonders auf längeren Strecken. Auch Hitze belastet den Akku: Sie kann die chemischen Abläufe im Inneren durcheinanderbringen und sorgt häufig für schnelleren Verschleiß. Regen selbst mindert die Kapazität nicht, aber Feuchtigkeit kann offene Kontakte oder Sensoren beschädigen, was ärgerliche Ausfälle verursacht. Wer vorbeugt, kommt besser durch: Im Winter den Akku drinnen vorwärmen und erst kurz vor der Fahrt einsetzen; bei längeren Pausen draußen lieber mit ins Warme nehmen.


Reifendruck und mechanischer Zustand

Wer schon mal mit zu wenig Luft im Reifen unterwegs war, kennt das: Das Rad wirkt schwerfällig, man muss mehr treten, und bergauf wird’s schnell mühsam. Schon ein Verlust von rund 1 bar kann deutlicher spürbar sein, als man denkt. Schleifende Bremsen oder eine stark verschmutzte Kette haben einen ähnlichen Effekt, sie nehmen dem Rad die Leichtigkeit und lassen den Akku schneller leer werden. Passend zum eigenen Gewicht und dem üblichen Untergrund sorgt der richtige Reifendruck nicht nur für mehr Reichweite, sondern auch für besseren Halt in Kurven und ein angenehmeres Fahrgefühl. Am besten merkt man das, wenn man mit frisch aufgepumpten Reifen fährt. Den Luftdruck einmal im Monat prüfen lohnt sich, genauso wie eine saubere, geölte Kette. Auch Schaltung und Lager regelmäßig checken, oft steckt der Energieverlust in kleinen, lockeren Teilen.


Wartung steigert Reichweite

Ein gepflegtes E-Bike fährt nicht nur sicherer, sondern bleibt länger effizient. Regelmäßige Checks helfen, damit der Akku auch nach vielen Jahren noch seine volle Leistung hat


Technologische Entwicklungen

Bei Akkus passiert gerade richtig viel, jedes Jahr kommen deutlich bessere Modelle auf den Markt. Lithium-Ionen-Akkus sind derzeit am weitesten verbreitet und bieten Energiedichten von etwa 150 bis 250 Wh/kg, was für viele Einsätze schon sehr ordentlich ist. Solid-State-Akkus wirken fast wie Technik von morgen: rund 844 Wh/L und 80 % Ladung in etwa 12 Minuten, perfekt für einen kurzen Stopp auf langen Fahrten. Immer mehr Hersteller nutzen smarte Batteriemanagementsysteme, die den Verbrauch steuern und Ladezyklen überwachen, damit Akkus länger ihre Leistung halten. Das bringt spürbar mehr Reichweite und kürzere Ladezeiten im Alltag.

Auch bei Motoren tut sich einiges. Mittelmotoren schaffen inzwischen etwa 85 Nm Drehmoment, Spitzenmodelle sogar 105 Nm, und wiegen trotzdem unter 3 kg, erstaunlich leicht für diese Leistung. Dazu kommt die Rekuperation: Beim Bremsen oder Bergabfahren fließt Strom zurück in den Akku. In der Praxis wirkt das nicht nur sparsam, sondern gibt dem Fahren oft auch einen angenehmen Hauch von Zukunft.


Regionale Unterschiede und Nutzungstrends

Bayern und Baden-Württemberg sind in Deutschland vorne, wenn es um E-Bike-Angebote und Wege geht. Dort kann man oft stundenlang fahren, entspannt, mit Blick auf Alpen oder Weinberge, was im Sommer besonders schön ist. Überraschend: In Berlin wird pro Kopf trotzdem am meisten gefahren, wahrscheinlich wegen der vielen kurzen Strecken im Alltag und der guten Anbindung. Urlaubsregionen setzen immer mehr auf E-MTBs, damit Gäste ganztägige Touren machen und auch abgelegenere Routen erreichen können. In manchen ländlichen Gegenden ersetzt das E-Bike oft den Zweitwagen, und jede zusätzliche Reichweite wird geschätzt. Städte mit dichtem Radwegenetz und gut platzierten Ladestationen machen längere Fahrten einfach. In bergigen Regionen sind starke Akkus gefragt, während flache Städte meist auf leichte, wendige Modelle setzen.


Akkupflege für maximale Leistung

Ein Akku bleibt meist länger in guter Form, wenn er nicht komplett entladen wird, unter 20 Prozent mag er es oft nicht. Ideal ist es, den Ladezustand zwischen etwa 20 und 80 Prozent zu halten. Das klingt vielleicht nach mehr Aufwand, verlängert aber deutlich die Lebensdauer. Starke Hitze oder Kälte schaden ebenfalls, denn die Zellen arbeiten am liebsten bei normaler Raumtemperatur. Häufiges Vollladen im oberen Bereich kann sie auf Dauer belasten und Leistung kosten. Wer den Akku trocken lagert, die Kontakte sauber hält und das Original-Ladegerät verwendet, schützt ihn zusätzlich. Ein jährlicher Check beim Fachhändler findet oft kleine Probleme, bevor sie größer werden.


Jetzt selbst optimieren

Die Reichweite deines E-Bike-Akkus hängt von mehr Dingen ab, als man zuerst denkt: Kapazität, Gewicht, Streckenverlauf, Unterstützungsstufe, Wetter, Pflege, und sogar davon, wie du fährst (wer kräftiger tritt, kommt meist weiter). Wenn du diese Punkte beachtest, kannst du oft 20 bis 30 % mehr Kilometer pro Ladung schaffen. Probier ruhig verschiedene Einstellungen aus und spüre, wie sich das verändert. Regelmäßige kleine Wartungen und gute, passende Teile können ebenfalls deutlich helfen.

Es lohnt sich, deine Touren festzuhalten, per App oder einfach im Notizbuch. So siehst du schnell, welche Änderungen wirklich wirken. Die Technik entwickelt sich rasant, und vielleicht sind bald 150 km pro Ladung ganz normal. Passt dein E-Bike zu deinem Fahrstil, fühlt sich jede Fahrt länger, leichter und macht doppelt so viel Spaß.


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